In Afrika speziell in Kenia stellen wir uns ja immer vor, Sonnenschein - Hitze und Trockenheit. Aber das dies auch anders sein kann musste ich bei meinem letzten Besuch in Kenia erleben.



Als Unterkunft hatten wir diesmal ein kleines Camp ausgewählt mit Zweimann Zelten inklusive Vollverpflegung, Außendusche und Toilette ideal direkt am Mara-River gelegen, bei einem deutschen Betreiber für zirka 80 US-Dollar pro Tag, dass Camp war allerdings noch im Aufbau. Ich staunte über den günstigen Preis, aber Afrikaerprobt wunderte mich dazu nichts mehr.
Ali, unser Fahrer aus Mombasa, fand Nairobi, den Flughafen und uns, und gemeinsam dann die Massai-Mara (den Ali war vorher noch nie in der Masai Mara). Die Lage war fantastisch und das Essen war ordentlich. Ein mit Holzkohlebrocken gefüllter und mit Wasser übergossener Drahtverhau als natürlicher Kühlschrank funktionierte erstaunlich gut. Alles andere war Afrika Abenteuer pur! Aber genau das mag ich ja, so ein Rest echter Wildnis und weg von der Zivilisation und zurück zu der Natur, wo man seine Sinne anders schärfen kann und muss, als wenn man in der Zivilisation die Straße überqueren will.



So sollte es auch kommen. Die Zelte im Camp waren für zwei Personen und Kameraausrüstung überschaubar, für die Kleidung wurde halt ein Igluzelt danebengestellt. Die am Baum hängenden Wassersäcke waren praktikable Duschen, man musste nur vorher schauen, ob im Bast-Sichtschutz ein Waran wartete, um das heiße Vergnügen mit uns zu teilen. Alles halb so wild, dachte ich, das ist eben Afrika pur. Das Gefauche und Geknurre, das mich in der ersten Nacht dazu brachte, ziemlich oft wach zuliegen, entpuppte sich bei Tageslicht anhand der im Camp hinterlassenen Spuren als Leopard.
Der Massai-Wächter, der die Nacht schlafend unter einer Plane am Lagerfeuer verbracht hatte, entschuldigte sich damit, dass dieser Leopard doch bisher nur am anderen Flußufer sein Unwesen getrieben hatte. Zumindest muss es diesen unerschrockenen Massaikrieger doch so beeindruckt haben, dass er die nächsten Nächte zwei Stammeskollegen mitbrachte und rund zwanzig Meter hinter unserem Zelt, wo er die meisten Leopardenspuren gefunden hatte, ein zweites Lagerfeuer entfachte.

»Das dicke Einbeinstativ von Uwe lege ich lieber neben mein Bett«, dachte ich und habe es, bestückt mit einem schweren Kugelkopf, zur Kriegskeule umfunktioniert. Das dämpfte dann zumindest ein bisschen das Gefühl der Machtlosigkeit hinter den dünnen Zeltwänden für den Fall, dass es sich die Katze doch noch anders überlegen könnte.

Am ersten Tag fahren wir erst das Westufer des Mara-Rivers ab, weiter vom Oloololo-Gate in Richtung Little Governors Camp, hier findet man Löwen und mit Glück auch Leoparden, vor allem, wenn man von dort am Mara-Ufer entlang Richtung Serena-Lodge fährt. Oben an der Serena- Lodge kann man bei klarem Wetter fast die halbe Massai-Mara überblicken und sehen, wo die großen Tierherden gerade herumziehen.

Erstes Ziel dieses Tages ist mein Lieblingspicknickbaum an der Grenze zum Serengeti-Nationalpark in Tansania. Von dort kann man weit in die nördliche Serengeti schauen. Es ist ein Traumplätzchen ...


Dumm nur, dass innerhalb der nächsten Stunde, völlig untypisch für Anfang September Regen einsetzte, der tagelang anhielt. Pech!
Bei so starken Regenfällen gibt es in der Massai-Mara nur ein Problem: den Boden, »-Black Cotton Soil« genannt. Das ist so eine Art Mischung aus Knetmasse und Schmieröl. Die Tracks weichen bei starken Regenfällen in kürzester Zeit völlig auf, der Geländewagen schleudert wie auf Glatteis und ist selbst bei stärkster Getriebeuntersetzung und eingeschalteter Differenzialsperre zeitweise kaum mehr steuerbar.



Wir traten  deshalb bereits um 15.00 Uhr die gut vierzig Kilometer Rückfahrt ins Camp an.
Zum Glück wusste unser Fahrer Ali nicht, was auf uns zukam. Mitten in Löwen- und Leoparden-gebieten hatten wir uns zwei Mal festgefahren. Das bedeutet aussteigen, Steine und Äste suchen und unter die Reifen packen, damit die Karre wieder freikommt. Ali blieb dabei im Auto um Ausschau nach den Löwen zu halten.
Um 19.30 Uhr erreichten wir dann doch noch unser Camp. Camp? Nein, ein sumpfiges Feuchtbiotop, und es schüttete weiter wie aus Eimern. Nach zwei Metern hatte man zehn Zentimeter Knetmasse unter den Füssen und rutschte wie auf Schlittschuhen. Klitschnass und durchgefroren wurde erst einmal im strömenden Regen draußen heiß geduscht – ein völlig neues Badeerlebnis.

Das Schlafzelt war zumindest über den Kojen dicht. Nun mit Badelatschen durch den Sumpf zum Essenszelt, meine Schlangenphobie war mir jetzt egal, ich hatte Bärenhunger. Im Essenszelt flossen
zwei kleine Bäche, voll mit Fröschen und anderem Kleingetier. Peter, sagte ich zum Camp Inhaber, willst Du nicht mal eben mit einer Hacke einen Graben um das Zelt ziehen, sonst haben wir hier mit dem reich gedeckten Kleintiertisch gleich eine Schlangeninvasion im Zelt. Gesagt, getan und endlich Abend gegessen und nach zirka 1 Stunden vielen mir meine Augen zu ... und ich bewegte mich zurück durch den Regensumpf in mein feuchtes Zelt.

Wer noch etwas mehr über das Serengeti Mara Ökosystem lernen möchte und über das grosse Thema Wildlife Fotografie, den empfehle ich doch einmal bei Uwe Skrzypczak vorbei zu schauen. 

Eine Übersicht meiner Reiseerlebnisse , die ich seit Juni 2013 hier bei Reiseknipse geschrieben habe, findest Du im Archiv ansonsten gibt es mehr aus meiner schönen Fotowelt bei demipress.
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